Weidewirtschaft auf öffentlichen Flächen

Mit dem Einzug der Siedler begann der Verkauf des amerikanischen Westens. Farmer und Rancher erwarben Landparzellen und übergaben die Gebiete, die ihrer Meinung nach weniger wertvoll waren, der Öffentlichkeit. Genutzt wurden diese Flächen von ihnen trotzdem. Die Rancher überließen sie ihren Rindern zur Beweidung. In Bundesstaaten wie zum Beispiel Nevada beliefen sich derartige Gebiete auf eine Fläche von gut 85%.

Das Bundessystem der Weidewirtschaft begann mit der Land-Verordnung 1785 und der Nordwest-Verordnung 1787. Ende des 19. Jahrhunderts allerdings, reformierte man die westliche Expansion und begann das Land und seine Ressourcen zu schützen. (Beispiel: der 1872 gegründete Yellow Stone Nationalpark)

1934 setzte man somit den „Taylor Grazing Act“ auf - ein Gesetz zur Einteilung der Flächen in Weiden - unter der Verwaltung der Bundesregierung. So entstand der sogenannte Grazing Service (Weide-Service). 1946 wurde der Grazing Service mit dem General Land Office zusammengeführt und daraus das Bureau of Landmanagement (BLM) gegründet.

Die Behörden machten es Ranchern, Bergarbeitern und Farmern einfach, Zugang zu den benötigten Ressourcen des Landes zu erhalten. Rancher erhielten Flächen auf Zuteilung und mussten eine monatliche Gebühr/Kuh&Kalb zahlen.

Auch heute zahlen Rancher für die Beweidung öffentlicher Flächen eine Gebühr an das BLM. (2008 betrug diese: 1,35 Dollar/Tier) Ergebnis: Millionen von Rindern und Schafen weiden auf den Public Lands und stehen in Konkurrenz zu den dort, in weitaus geringerer Anzahl lebenden Wildtieren, inklusive Mustangs und Wildesel.

Welfareranching?

Das Land wird demzufolge kontinuierlich überbeansprucht und damit langfristig geschädigt. Zusätzlich kommen Dürreperioden und Unwetter dazu, die das Überleben der Flora und Fauna erschweren. Harsche Wetterbedingungen setzen allerdings nicht nur ursprünglicher Natur und ihren Bewohnern zu. Auch die Rancher und deren Vieh sehen sich demzufolge oft vor enorme Herausforderungen gestellt. 

Hat also nun ein Rancher diesbezüglich ein Anliegen, begibt er sich zu dem, für ihn zuständigen Kongressvertreter oder der entsprechenden Behörde und macht dort seine Interessen geltend. In vielen Bundesstaaten ist dieser Kongressvertreter oder Beamte, aber selbst ein Rancher bzw. hat in seiner Familie/Verwandtschaft mit Landwirtschaft und Viehzucht zu tun. Folge: die Interessen beider Parteien sind in etwa gleich.
Somit wurden und werden zb bei Dürreperioden zuerst Wildpferde und -esel von öffentlichen Ländereien eingefangen und nicht Rinder und Schafe von den Flächen abgetrieben.

In elf westlichen Bundesstaaten der USA, werden rund 254 Millionen Acres vom BLM und Forest Service verwaltet und von landwirtschaftlichen Nutztieren beweidet. Im Gegensatz dazu sind es knapp 27 Millionen Acres, die das BLM den Wildpferden und -eseln zur Verfügung stellt. Doch auch innerhalb dieser Flächen lässt man dem Vieh der Rancher den Vorzug. (80 % des dort vorhandenen Futters fressen Rinder und Schafe.)
Die Beweidung durch Nutzvieh wird auch in vielen Naturschutzgebieten und Nationalparks zugelassen. (Beispiele: Grand Teton National Park (WY) und Great Basin National Park (NV).

Die aktuelle Gesetzeslage erlaubt zwar die Mehrfachnutzung öffentlicher Ländereien, dennoch wurde bisher wenig auf das Aufrechterhalten eines Gleichgewichtes zwischen Beweidung, Bergbau und Naturschutz geachtet. Somit werden häufig die Bedürfnisse der dort existierenden Pflanzen- und Tierwelt außer Acht gelassen. Dies bedarf der umgehenden Korrektur.

Befürworter der Viehzucht geben allerdings an, dass die Nutztierhaltung auf öffentlichen Ländereien, die Bevölkerung ernährt und unzählige Arbeitsplätze schafft. Sie behaupten, die Wildpferde und -esel würden die Flächen zerstören und müssen demzufolge von diesen entfernt werden. Dazu folgende Fakten:

In den 11 Bundesstaaten, die das Ranching auf Public Land erlauben, wurden innerhalb der Branche weniger als 18000 Arbeitsplätze geschaffen. (0,06 % an Jobs insgesamt). Über 22% der Viehzüchter dieser Staaten besitzen die Erlaubnis für eine Beweidung auf öffentlichen Ländereien.

Auf nationaler Ebene nehmen diese Rancher nur einen Anteil von 2% unter den insgesamt 1.1 Millionen Viehzüchter der USA, ein. Somit beträgt die Produktion von Rindfleisch auf öffentlichen Flächen, laut US Department of Agriculture, nur 3,8%.

Die intensive Viehzucht auf den Public Lands zerstörte das Gleichgewicht intakter Lebensräume. Raubtiere, die den Gewinn der Rancher reduzieren würden, rottete man aus. Zäune verhindern, dass Wildtiere sich frei bewegen können. Die Rinder hingegen überweiden/überlasten die Flächen, auf denen sie sich aufhalten müssen.

Das überweidete Land wird demzufolge häufig umgebrochen und/oder gleich neu angesät. Einheimische Pflanzenarten ersetzt man durch Weidegras. Wildtiere aber, sind abhängig von nativen Gräsern und Kräutern.
Deshalb bedroht die Überbeanspruchung von Land durch landwirtschaftliche Nutztiere, einheimische Pflanzen- und Tierarten, reduziert die Qualität von Wasser, verbreitet Unkraut und beschleunigt die Bodenerosion. Durch die Überweidung werden somit einst intakte Ökosysteme zerstört.

Heute sind über 80% aller Bäche und Feuchtgebiete durch eine solche Nutzung in ihrer Funktion beeinträchtigt. Der Global 2000 Report stellt zudem fest, dass die übermäßige Beweidung, die öffentlichen Ländereien der USA zunehmend in Wüstengebiete verwandelt.

Wildpferde in den Holdings des BLM
Wildpferde in den Holdingfacilities des BLM (Foto: Laura Leigh/Wild Horse Education)

Kosten
Wild Horse and Burro Programm (Quelle: BLM):
Der Kongress beanspruchte $ 74,9 Mio für das Wild Horse und Burro Programm im Geschäftsjahr 2012. (Ende: 30. September 2012). Ausgegeben wurden insgesamt: $ 72,4 Mio.
Von dieser Summe wurde finanziert:

Round-ups/Einfangen der Pferde:                $ 7,8 Mio (10,8 %)
Haltung der Pferde in den Holding-Facilities:  $ 43 Mio (59,3 %)
Adoptionen/Veranstaltungen:                      $ 7,1 Mio (9,8 %)

Um diese Ausgaben zu decken wird der amerikanische Steuerzahler zur Kasse gebeten. Die National Public Lands Grazing Campaign (NPLGC) schätzt die Kosten, die das Ranching auf öffentlichen Ländereien fordert, auf insgesamt $ 500 Mio. (aufgeteilt in direkte und indirekte Kosten)

Wirft man nun einen Blick auf die vom BLM erstellte Karte, lässt sich erkennen, wie „klein“ das sogenannte „Wildpferdeproblem“ ist im Vergleich zu 254 Mio Acres, die insgesamt für die Nutztierhaltung auf öffentlichen Ländereien verwendet werden. Bedeutet dies, dass selbst die Restbestände an Mustangs und Wildeseln auch noch weichen müssen und wenn ja, warum?

Wenn das Eintreiben und „Aufbewahren“ von Wildpferden und -esel dermaßen teuer ist und Rancher gleichzeitig um ihr Überleben kämpfen müssen, da die Viehzucht auf Public Lands für sie nicht zwingend wirtschaftlich ist – warum wird dann die massive Zerstörung von Natur weiterbetrieben?

Fazit: Das Management amerikanischer Wildpferde und -esel ist unausgewogen. Vorzug gewährt man den Interessen der Fleisch- und Bodenschatzindustrie. Dadurch gerät nicht nur der Mustang und der Wildesel in Gefahr auszusterben, letztendlich zerstört die exzessive Nutzung der öffentlichen Ländereien insgesamt ursprüngliche Lebensräume mit ihrer artenreichen Flora & Fauna. Zusätzlich verursacht die Viehproduktion auf den Public Lands der USA enorme Kosten für den amerikanischen Steuerzahler.

Fotos und Quelle: Wild Horse Education