Mustangs Arizona

Wild oder verwildert?

Ein wildes Pferd oder Esel ist nach amerikanischem Recht ein Tier (bzw dessen Nachkommen), das sich, nach dem Wild Horse and Burro Act 1971, auf den öffentlichen Ländereien der USA aufhielt. Allerdings gibt der Begriff „Wildpferd“ Anlass zu heftigen Debatten. 

Das heutige Wildpferd ist seit langem auf dem amerikanischen Kontinent heimisch. Nach aktuellen wissenschaftlichen Studien war es dennoch vor ca. 10000 Jahren vom Aussterben bedroht. Es wird angenommen, dass einige der Tiere nach Asien wanderten. Die damals noch existierende Beringstraße machte dies möglich.

Wildpferdjährling
Mustangjährling in den Holding Facilties 
des BLM (Foto: Laura Leigh/Wild Horse Education)

Heute vermutet die Mehrheit der Wissenschaftler, dass die Pferde erst mit den Spaniern vor rund 500 Jahren wieder nach Amerika zurückkehrten. Allerdings existieren mittlerweile Studien die beweisen wollen, dass das Pferd nie den amerikanischen Kontinent verließ und in kleineren, isolierten Gruppen überlebte. (Genauere Informationen dazu liefert der Autor Craig C. Downer in seinem Buch "The Wild Horse Conspiracy" oder in seinem Bericht "The horse and burro as positively contributing returned natives in North America" auf American Journal of Life Sciences)
Trotzdem hält sich vorerst die Vermutung, dass die spanischen Pferde, zusammen mit den Tieren, die die Siedler mit sich führten, die Population an Equiden wiederbelebte.

Der Ursprung des heutigen Wildpferdes in Amerika wird weniger diskutiert. Zur Debatte stehen die Begriffe „wild“ im Gegensatz zu „verwildert“. „Feral“ (verwildert) ist ein Ausdruck der ein domestiziertes Tier beschreibt, das in der Natur letztendlich verwilderte. Diese Spezies werden als „non-native“ - nicht einheimisch, deklariert. Ein Wildtier dagegen ist eine einheimische Art. 

Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen müsste also das amerikanische Wildpferd als „wieder eingeführte einheimische Art“ bezeichnet werden, welche sich auf dem amerikanischen Kontinent etablierte. Somit gilt das Wildpferd und sein Verwandter, der Wildesel, nicht als Faunenverfälscher, da sie fester Bestandteil im Kreislauf der Natur sind.

Die Debatte um die Wildpferde tobt deshalb weniger wegen des Ursprungs der Tiere, sondern aufgrund ihres Managements. Diejenigen, die die Mustangs und Wildesel als Störfaktoren ansehen, sprechen somit von verwilderten Haustieren, während ihre Befürworter sie als Wildtiere anerkennen.

Schaut man sich die verschiedenen Instanzen und Behörden an, die die Wildpferde- und Wildeselbestände verwalten wird klar, warum über das „Wildpferdeproblem“ in Amerika derart heftig diskutiert wird. (Hinweis: Der juristische Begriff „wild“ wird benutzt, um die Bestände per Gesetz, vom Bureau of Landmanagement und vermutlich auch vom Forest Service, nachhaltig zu verwalten.) Der Ausdruck „verwildert“ wird dagegen im Management des Sheldon National Wildlife Refuge (Fish and Wildlife) verwendet, um die Tiere dort letztendlich auszurotten.

mustangs abend
Quelle: Wild Horse Education/Foto: Laura Leigh