Michael Blake

H. Alan Day

H. Alan Day; Photo by Lynn Wiese SneydH. Alan Day ist ein Pferdemann. Dennoch bezeichnet er sich selbst als Cowboy, ein Kuhjunge, der auf dem Pferderücken einst 1500 Mustangs trainierte.
In den 80ziger Jahren erwarb er eine 35 000 Acres große Ranch in der Prärie Süd Dakotas. Dort führte und verwaltete er das erste vom Staat gesponserte Schutzgebiet für Wildpferde. Vier Jahre hielt die Vereinbarung zwischen dem Cowboy und dem BLM (Bureau of Landmanagement), dann zog die Behörde die Mustangs ab und Alan Day musste gehen.

In seinem neuen Buch „The Horse Lover: A Cowboy´s Quest to Save the Wild Horses“ erzählt der heutige Bestsellerautor, zusammen mit der Autorin Lynn Wiese Sneyd, von seinen Erfahrungen aus dieser Zeit. Ihre Geschichte ist eine heikle Mixtur aus Emotionen aller Art. Day und Sneyd schreiben auf den Punkt genau und lassen dabei nichts aus. Auch nicht den Tag, an dem das BLM den Cowboy dazu aufforderte, einige der Wildpferde zu erschießen. Dennoch bleibt auch Raum für Positives und interessante Anekdoten. Eine davon ist beispielsweise die Anfrage Kevin Costners, der damals nach einem geeigneten Drehort für Michael Blakes Roman „Der Mit Dem Wolf Tanzt“ suchte, aber auch die vielen Geschichten über die Pferde an sich.
Fazit: Das Erleben von 1500 Mustangs auf 264 Seiten ist eine aufregende Reise. Nicht nur für Pferdefans.

Alan Day hat themustang.de freundlicherweise eine Kostprobe seines Könnens gewidmet. Inhalts gemäß übersetzt wurde seine Geschichte von unserem Team, der Originalpost ist hier nachzulesen.

Photo:  Lynn Wiese Sneyd

1500 wilde Pferde im Training
von H. Alan Day

Für einen Moment musste ich meinen Verstand verloren haben. Ich war bereits Geschäftsführer zweier Ranches: einmal der Lazy B–Ranch, einem 200 000 Acres großen Gebiet zwischen Arizona und New Mexico, und der Rex-Ranch, welche über eine Fläche von 45 000 Acres im nördlichen Zentralnebraska verfügte.

Und was machte ich? Ich kaufte die nächste Ranch - „Mustang Meadows“, ein wahres Meer aus Gras, 35 000 Acres groß und wunderschön in den Sand Hills von Süd Dakota gelegen – und verwandelte sie in das erste staatlich geförderte Schutzgebiet für wilde Pferde. Mit anderen Worten: ein Zuhause für unvermittelbare Wildpferde, 1500 Tiere, um genau zu sein. Es gab dabei nur ein Problem: Ich hatte noch nie mit wilden Pferden gearbeitet.

Vor ihrer Ankunft auf der Mustang Meadows-Ranch hatten die Tiere schwere Traumata ertragen müssen. Mit Hubschraubern aus ihrer Heimat verjagt, wurden sie in enge Paddocks gesperrt und von ihren Familien getrennt.
Die jungen, hübschen Pferde bereitete man für die Adoptionsprogramme vor; die Alten, die Einäugigen, die Vernarbten – kurz: die Unvermittelbaren - landeten im „Gefängnis“. Für diese Pferde bedeutete es, den Rest ihres Lebens in mehr oder minder großen Ausläufen, noch dazu in einem ihnen fremden Teil des Landes, zu verbringen. Man stellte ihnen zwar ordentliches Futter zur Verfügung, dennoch, auf so engem Raum neue Familien zu gründen, war für sie unmöglich.

Photo by Clark Nelson Photography

Als diese Pferde schließlich auf der Mustang Meadows-Ranch ankamen, wirkten sie bestürzt und verwirrt, so, als ob sie auf eine weitere Katastrophe warteten. Ganz sicher wollten sie nicht zu unseren Freunden werden. Aber ich musste mich mit ihnen anfreunden. Mit allen 1500. Ich musste die Tiere von Weide zu Weide treiben können, um das Land vor Verbiss zu schützen. Dieses wunderschöne Land. Eine übergraste Weide braucht oft Jahre, um sich zu regenerieren, somit hing die große Frage in der schwülen Luft: Konnte ich eine ganze Herde darauf trainieren, einem Cowboy zu Pferde zu folgen?

Das erste Mal, als die Cowboys und ich in einen Auslauf mit 40 Mustangs ritten, konnten wir die tiefsitzende Abneigung der Tiere spüren. Leise redeten wir mit ihnen und bewegten unsere Pferde langsam, in einer für die Mustangs nicht bedrohlichen Weise, durch das Paddock. Nicht ein einziges Mal sahen wir den Tieren dabei in die Augen. Es war offensichtlich, dass diese Herangehensweise unzählige Male wiederholt werden musste, bevor sie uns auch nur ansatzweise vertrauten.

Photo by Clark Nelson Photography

Und siehe da, nach dem zehnten oder fünfzehnten Mal im Auslauf brachen die Pferde nicht mehr in Panik aus und galoppierten zum anderen Ende des Paddocks. Stattdessen blickten sie zu uns, ihre Ohren spitz gen Himmel gerichtet, und kauten, obwohl sie nicht fraßen. Hin und wieder scharrte ein Vorderhuf im Sand.
„Was machen wir jetzt?“, fragte einer der Cowboys.
„Nun, Jungs, wir kommen wieder und werden uns ihnen weiter und weiter annähern“, sagte ich. „Schon bald sind wir in der Lage, die Tiere durch den Auslauf zu treiben, danach werden sie sich von uns um die Tore herum und schließlich durch die Tore hindurch führen lassen.“
Natürlich hatte ich keine Ahnung, ob mein Plan funktionieren würde.

Und so ging es weiter, vier oder fünf mal am Tag arbeiteten wir die Pferde für 15 oder 20 Minuten in ihren Ausläufen. Anschließend konnten wir sie nicht nur durch die Tore führen, sondern auch auf die Weiden. Bald trainierten wir 100 Pferde auf einmal, später 400. Das Training entpuppte sich bei weitem nicht so romantisch, wie wir es uns vorgestellt hatten, dafür war es sehr befriedigend. Wir zähmten keine Mustangs; in der Tat wurden sie niemals zahm, aber wir wurden Freunde und konnten somit ihr Vertrauen gewinnen.

Photo by Clark Nelson PhotographyAls der große Tag kam, um sie auf die sechs Meilen entfernte Sommerweide zu bringen, machten sie mit. Alle 1500. Es gab zwar ein paar Problemchen, aber ich werde niemals vergessen, wie ich die Herde anführte, das nächste Pferd keine drei Meter von mir entfernt - so ritten wir im leichten Galopp durch die Frühlingsluft. Der Boden vibrierte unter den donnernden Hufen. Gewiss teilten die Pferde und ich dieses durchdringende Gefühl von Freiheit. Es war der für mich bedeutendste Ritt meiner gesamten Ranching- und Cowboylaufbahn.

Während der vier Jahre, die die Pferde auf Mustang Meadows verbrachten, hörten sie nie auf, uns zu vertrauen. Wir trieben sie so leicht zusammen und von Weide zu Weide als würde man eine Gabel in einen Pfirsichkuchen stecken. Das beste daran aber war, dass unsere Partnerschaft mit ihnen so viel besser als dieser Kuchen schmeckte. Man, ich liebe Pfirsichkuchen, aber noch mehr liebe ich Pferde.

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Alan Day´s neues Buch ist „The Horse Lover: A Cowboy´s Quest to Save the Wild Horses“. Er und seine Schwester, Sandra Day O’Connor, schrieben ebenfalls den New York Times Bestseller „Lazy B“, ihre Geschichte über das Aufwachsen auf einer Rinderranch im Südwesten der USA.
Sie können Alan Day auf www.thehorselover.com besuchen und ihm auf Twitter und Facebook, sowie auf Goodreads folgen.

 

Photocredits: Lynn Wiese Sneyd und Clark Nelson Photography

mit freundlicher Genehmigung von Lynn Wiese Sneyd und H. Alan Day (all rights reserved)